LF04

Verschlüsselung#

Verschlüsselung schützt Daten vor unbefugtem Zugriff — unterwegs (z. B. TLS) oder im Ruhezustand. Grundlegend gibt es zwei Verfahren, symmetrisch und asymmetrisch, sowie darauf aufbauende Methoden wie Hybridverschlüsselung, digitale Signaturen und Passwort-Hashing.

Symmetrische Verschlüsselung#

Ein Schlüssel wird sowohl zum Ver- als auch zum Entschlüsseln verwendet.

Sender                              Empfänger
  │                                     │
  │   Klartext                          │
  │      │                              │
  │   [Schlüssel K]              [Schlüssel K]
  │      │                              │
  │   Geheimtext ──── übertragen ───► Klartext
  │                                     │
VorteileNachteile
Sehr schnell (geringe Rechenleistung)Schlüsselverteilungsproblem: Wie teilt man den Schlüssel sicher?
Einfache ImplementierungJedes Kommunikationspaar braucht eigenen Schlüssel
Gut für große Datenmengenn Teilnehmer → n(n−1)/2 Schlüssel nötig

Algorithmen: AES (sicher, Standard), DES (veraltet, unsicher), 3DES


Asymmetrische Verschlüsselung#

Zwei mathematisch verknüpfte Schlüssel: Public Key (öffentlich) + Private Key (geheim).

          Sender                              Empfänger
            │                                    │
            │    Empfänger's Public Key          │
            │         (öffentlich bekannt)       │
            │                ↓                   │
            │   Klartext → [Public Key] → Geheimtext
            │                                    │
            │         übertragen                 │
            │                                    │
            │              Geheimtext → [Private Key] → Klartext
            │                                    │
VorteileNachteile
Kein SchlüsselverteilungsproblemSehr langsam (rechenintensiv)
Digitale Signaturen möglichNicht geeignet für große Datenmengen
Skalierbar (n Teilnehmer = n Schlüsselpaare)

Algorithmen: RSA, ECC (Elliptic Curve Cryptography)


Hybridverschlüsselung#

Kombination beider Verfahren – in der Praxis das häufigste Modell (z.B. HTTPS/TLS):

1. Asymmetrisch:  Sicherer Austausch eines symmetrischen Sitzungsschlüssels
                  (langsam, aber nur einmalig)

2. Symmetrisch:   Verschlüsselung aller Nutzdaten mit dem Sitzungsschlüssel
                  (schnell, für große Datenmengen)

Ablauf TLS (HTTPS):

Client                              Server
  │─── "Hallo, ich kann TLS" ────►   │
  │◄── Server-Zertifikat (Public Key)─│
  │                                   │
  │── [Sitzungsschlüssel, verschlüsselt mit Server-Public-Key] ──►│
  │◄─────── [Bestätigung] ────────────│
  │                                   │
  │════ Symmetrisch verschlüsselte Kommunikation ════│

Digitale Signatur#

Umkehrung der Verschlüsselung: Der Sender signiert mit seinem Private Key, der Empfänger verifiziert mit dem Public Key.

Sender: Nachricht + Hash → [Private Key] → Signatur
Empfänger: Signatur → [Public Key] → Hash prüfen → Authentizität bestätigt

Gewährleistet:

  • Integrität: Nachricht wurde nicht verändert
  • Authentizität: Absender ist wirklich der, der er vorgibt zu sein
  • Nicht-Abstreitbarkeit: Absender kann Versand nicht leugnen

Passwort-Hashing (Bonus LF5-Verbindung)#

Passwörter werden nie im Klartext gespeichert – nur als Hash:

AlgorithmusSicherheitAnmerkung
MD5UnsicherVeraltet, Rainbow-Table-Angriffe möglich
SHA-1UnsicherEbenfalls veraltet
SHA-256Bedingt sicherNoch kein Salting
bcryptSicherInkl. automatisches Salting (zufälliger Zusatzwert)

Salting: Vor dem Hashen wird ein zufälliger Wert (Salt) an das Passwort angehängt → gleiche Passwörter ergeben verschiedene Hashes → Rainbow-Tables nutzlos.

Prüfungsbeispiele#

„Warum wird bei HTTPS nicht durchgehend asymmetrisch verschlüsselt?"

→ Weil asymmetrische Verschlüsselung sehr rechenintensiv und damit langsam für große Datenmengen ist. Deshalb wird sie nur einmalig genutzt, um sicher einen symmetrischen Sitzungsschlüssel auszutauschen — die eigentlichen Nutzdaten werden dann schnell symmetrisch verschlüsselt (Hybridverschlüsselung).

„Ein Nutzer registriert sich mit dem Passwort ‚Sommer2026’. Warum sollte die Anwendung das Passwort nicht einfach mit SHA-256 hashen und speichern?"

→ SHA-256 ist zwar besser als MD5/SHA-1, aber ohne Salting anfällig für Rainbow-Table-Angriffe. Besser ist bcrypt, das automatisch einen zufälligen Salt hinzufügt, sodass identische Passwörter unterschiedliche Hashes ergeben.

„Was gewährleistet eine digitale Signatur, was eine einfache Verschlüsselung nicht kann?"

Authentizität (der Absender ist wirklich, wer er vorgibt zu sein) und Nicht-Abstreitbarkeit (der Absender kann den Versand nicht leugnen) — eine normale Verschlüsselung sichert nur die Vertraulichkeit des Inhalts.

Selbstkontrolle#

❓ Warum wird bei TLS/HTTPS nicht durchgehend asymmetrisch verschlüsselt?
❓ Was bewirkt Salting beim Passwort-Hashing?
❓ Was gewährleistet eine digitale Signatur zusätzlich zu einer normalen Verschlüsselung?

Siehe auch#

  • schutzbedarfsanalyse ISMSLF4 — CIA-Triade: Vertraulichkeit durch Verschlüsselung
  • dsgvo — DSGVO-Anforderung: technische Schutzmaßnahmen für personenbezogene Daten
  • malware — Ransomware nutzt Verschlüsselung als Angriffsmittel
  • vpnVPN nutzt Verschlüsselung für sichere Verbindungen
  • protokolle ports — TLS/HTTPS in der Netzwerkkommunikation

Ressourcen#