Arbeitsrecht#
Die Rechtsquellen des Arbeitsrechts sind:
- Europäisches Recht: EU-Vorgaben zur Arbeitszeit, Gleichbehandlung und Arbeitnehmerrechten
- Grundgesetz: Garantiert Grundrechte wie die Koalitionsfreiheit (Recht, Gewerkschaften zu bilden)
- Gesetze: Nationale Vorgaben, z. B. das Arbeitszeitgesetz, das Kündigungsschutzgesetz oder das Arbeitsschutzgesetz
- Verordnungen: Regeln die Umsetzung von Gesetzen, z. B. die Arbeitsstättenverordnung
- Tarifverträge: Vereinbarungen zwischen Gewerkschaften und Arbeitgeberverbänden über Löhne, Arbeitszeiten und Urlaub
- Betriebsvereinbarungen: Innerbetriebliche Abmachungen, die mit dem Betriebsrat ausgehandelt werden
- Arbeitsverträge: Individuelle Vereinbarungen zwischen Arbeitgebenden und Arbeitnehmenden
Normenhierarchie (Rangordnung)#
flowchart TD A["1 · EU-Recht"] --> B["2 · Grundgesetz"] B --> C["3 · Gesetze<br/>(ArbZG, KSchG, ArbSchG)"] C --> D["4 · Verordnungen<br/>(ArbStättV)"] D --> E["5 · Tarifverträge"] E --> F["6 · Betriebsvereinbarungen"] F --> G["7 · Arbeitsverträge"]
Eine niedrigere Ebene darf einer höheren nie widersprechen, kann aber günstigere Regelungen für Arbeitnehmer treffen (Günstigkeitsprinzip) — z. B. darf ein Arbeitsvertrag mehr Urlaub gewähren als das Gesetz vorschreibt, aber nicht weniger.
Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG)#
Das AGG verbietet Diskriminierung am Arbeitsplatz aufgrund von:
- Ethnischer Herkunft
- Geschlecht
- Religion oder Weltanschauung
- Behinderung
- Alter
- Sexueller Identität
Arbeitgebende müssen sicherstellen, dass niemand aufgrund dieser Merkmale benachteiligt wird – weder bei der Einstellung noch im Arbeitsalltag oder beim beruflichen Aufstieg.
Bürgerliches Gesetzbuch (BGB)#
Die §§ 611–630 BGB regeln grundlegende Bestimmungen zum Arbeitsvertrag:
- Vertragspflichten: Was Arbeitnehmende und Arbeitgebende leisten müssen
- Vergütung: Anspruch auf Lohn oder Gehalt
- Arbeitsverhinderung: Regelungen bei Krankheit oder anderen Hinderungsgründen
- Kündigungsfristen: Wie und wann ein Arbeitsverhältnis beendet werden kann
Nachweisgesetz (NachwG)#
Arbeitgebende sind verpflichtet, die wichtigsten Vertragsbedingungen schriftlich festzuhalten und dem Arbeitnehmenden spätestens einen Monat nach Arbeitsbeginn auszuhändigen.
Wichtige Inhalte des Vertragsnachweises:
- Name und Anschrift beider Parteien
- Beginn des Arbeitsverhältnisses
- Befristung (falls vorhanden)
- Arbeitsort, Tätigkeitsbeschreibung und Arbeitszeit
- Vergütung und Urlaubsanspruch
- Kündigungsfristen
- Tarifverträge oder Betriebsvereinbarungen (falls anwendbar)
Kündigungsschutzgesetz (KSchG)#
Schützt Arbeitnehmende vor ungerechtfertigten Kündigungen, wenn sie länger als sechs Monate in einem Unternehmen mit mehr als zehn Beschäftigten tätig sind.
Arten von Kündigungen:
- Verhaltensbedingte Kündigung: Bei wiederholten Verstößen gegen betriebliche Regeln trotz Abmahnung
- Betriebsbedingte Kündigung: Wenn Stellen abgebaut oder Betriebe verkleinert werden
- Personenbedingte Kündigung: Wenn Arbeitnehmende ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben können (z. B. aus gesundheitlichen Gründen)
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG)#
Das ArbSchG verpflichtet Arbeitgebende, für sichere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Dazu gehören:
- Ermittlung von Gefahren (Gefährdungsbeurteilung)
- Schutzmaßnahmen zur Unfallverhütung
- Ergonomische Arbeitsgestaltung
Arbeitszeitgesetz (ArbZG)#
Regelt Arbeitszeiten und Pausen:
- Maximale Arbeitszeit: 8 Stunden täglich, ausnahmsweise bis zu 10 Stunden
- Ruhezeiten: Mindestens 11 Stunden zwischen zwei Arbeitseinsätzen
- Pausen:
- Ab 6 Stunden: mindestens 30 Minuten
- Ab 9 Stunden: mindestens 45 Minuten
Entgeltfortzahlungsgesetz (EntgFG)#
Sichert Arbeitnehmenden eine Lohnfortzahlung bei Krankheit für bis zu sechs Wochen, wenn das Arbeitsverhältnis länger als vier Wochen ohne Unterbrechung bestanden hat.
Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG)#
Regelt die Mitbestimmung durch den Betriebsrat in Unternehmen mit mindestens fünf wahlberechtigten Beschäftigten.
Aufgaben des Betriebsrats:
- Mitbestimmung bei Arbeitszeiten, Urlaubsregelungen und Sozialplänen
- Beratungsrecht bei wirtschaftlichen Entscheidungen
- Schutz vor Diskriminierung und unrechtmäßigen Kündigungen
Berufsbildungsgesetz (BBiG)#
Regelt die duale Berufsausbildung und legt die Rechte und Pflichten von Auszubildenden und Ausbildenden fest.
Pflichten von Ausbildungsbetrieben:
- Vermittlung von Ausbildungsinhalten
- Vergütung nach geltendem Tarifvertrag
- Freistellung für die Berufsschule
Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG)#
Schützt Jugendliche im Alter von 15 bis einschließlich 17 Jahren und regelt:
- Arbeitszeiten (max. 8 Stunden pro Tag, 40 Stunden pro Woche)
- Pausenregelungen
- Freistellung für den Berufsschulunterricht
Selbstkontrolle#
❓ Welches Prinzip erlaubt es einem Arbeitsvertrag, von einer höherrangigen Norm abzuweichen, solange die Regelung für den Arbeitnehmer günstiger ist?
❓ Wann greift der Kündigungsschutz nach dem KSchG?
❓ Vor welchen Merkmalen schützt das AGG am Arbeitsplatz?
❓ Wie lange zahlt der Arbeitgeber nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz bei Krankheit Lohn fort, wenn das Arbeitsverhältnis ununterbrochen länger als vier Wochen besteht?
Siehe auch#
- ausbildungsvertrag — Inhalte, Rechte und Pflichten im Ausbildungsverhältnis
- arbeitsschutz — Arbeitsschutzgesetz und Gefährdungsbeurteilung im Detail
- entgeldabrechnung — Brutto-/Nettolohn, Steuerklassen und Sozialversicherung
- unternehmensformen — Rechtsformen und Unternehmensstrukturen
Ressourcen#
- Wikipedia: Arbeitsrecht (Deutschland)
- Wikipedia: Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz
- Wikipedia: Kündigungsschutzgesetz
- Studyflix: Arbeitsrecht einfach erklärt
- SimpleClub: AGG Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz auf YouTube suchen