Agile Methoden#

Agile Methoden sind iterative, flexible Vorgehensmodelle für die Projektdurchführung — im Gegensatz zum klassischen Wasserfallmodell, bei dem alles vorab geplant wird.


1. Agiles Manifest (4 Werte)#

Das Agile Manifest (2001) formuliert vier Kernwerte:

Agile bevorzugt……statt…
Individuen und InteraktionenProzesse und Werkzeuge
Funktionierende SoftwareUmfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem KundenVertragsverhandlungen
Reagieren auf VeränderungBefolgen eines Plans

Beide Seiten haben Wert — aber die linke Seite wird höher bewertet.


2. Klassisch vs. Agil#

MerkmalKlassisch (Wasserfall)Agil (Scrum/Kanban)
PlanungVollständig vorabIterativ, laufend
FlexibilitätGeringHoch
AnforderungenFestgeschriebenKönnen sich ändern
KundenbeteiligungAm Anfang und EndeKontinuierlich
ErgebnisErst am EndeNach jedem Sprint
RisikoSpät erkanntFrüh erkannt

3. Scrum#

Scrum ist das bekannteste agile Framework. Es arbeitet in Sprints (kurze, feste Iterationen).

Rollen#

RolleAufgaben
Product Owner (PO)Verwaltet das Product Backlog, priorisiert Anforderungen, vertritt den Kunden
Scrum Master (SM)Moderiert Prozesse, beseitigt Hindernisse (Impediments), coacht das Team
Development TeamUmsetzt die Aufgaben, selbstorganisiert, cross-funktional

Artefakte#

ArtefaktBeschreibung
Product BacklogPriorisierte Liste aller Anforderungen (User Stories)
Sprint BacklogTeilmenge des Product Backlogs für den aktuellen Sprint
IncrementFunktionsfähiges Produktergebnis am Ende eines Sprints

Events (Zeremonien)#

EventWerDauerZiel
Sprint PlanningGesamtes TeamMax. 8h (für 4-Wochen-Sprint)Sprint-Ziel und Sprint Backlog definieren
Daily Scrum (Standup)Dev-Team (+ SM)15 MinutenTagesstatus, Hindernisse identifizieren
Sprint ReviewTeam + StakeholderMax. 4hIncrement vorstellen, Feedback einholen
Sprint RetrospektiveTeam (intern)Max. 3hProzesse verbessern, was lief gut/schlecht?

Sprint-Zyklus#

flowchart LR
    PB[Product\nBacklog] --> SP[Sprint\nPlanning]
    SP --> SB[Sprint Backlog]
    SB --> S["Sprint\n(1–4 Wochen)"]
    S --> DS[Daily Scrum\ntäglich]
    S --> SR[Sprint Review]
    SR --> RETRO[Sprint\nRetrospektive]
    RETRO --> PB
    SR --> INC[Increment\n(auslieferbar)]

4. Kanban#

Kanban ist ein Pull-System zur Visualisierung des Arbeitsflusses ohne feste Sprints.

Grundprinzipien#

  • Visualisiere den Workflow (Kanban-Board)
  • Begrenze laufende Arbeit (WIP-Limit: Work in Progress)
  • Verbessere kontinuierlich (KVP: Kontinuierlicher Verbesserungsprozess)

Kanban-Board#

To DoIn Progress (WIP: 3)In ReviewDone
Task 5Task 2Task 4Task 1
Task 6Task 3Task 7
Task 8

Das WIP-Limit verhindert Multitasking und stellt sicher, dass Aufgaben fertiggestellt werden, bevor neue begonnen werden.


5. Scrum vs. Kanban#

MerkmalScrumKanban
IterationenFeste Sprints (1–4 Wochen)Kontinuierlicher Fluss
RollenProduct Owner, Scrum Master, TeamKeine festen Rollen
ÄnderungenErst nach Sprint möglichJederzeit möglich
WIP-LimitIndirekt (Sprint Backlog)Explizit pro Spalte
PlanungsaufwandHöherGeringer
Geeignet fürProduktentwicklungSupportprozesse, Wartung

6. User Story#

In agilen Projekten werden Anforderungen als User Stories formuliert:

„Als [Rolle] möchte ich [Ziel], damit [Nutzen]."

Beispiel:
„Als Systemadministrator möchte ich automatische Backups konfigurieren können, damit Datenverluste verhindert werden."

User Stories haben Akzeptanzkriterien — klare Bedingungen, wann die Story als „erledigt" gilt.


Wichtige Hinweise für die Prüfung#

  • Scrum = Sprints + feste Rollen (PO, SM, Dev-Team) + Zeremonien
  • Kanban = kein Sprint, Visualisierung, WIP-Limit
  • Product Owner priorisiert das Backlog, ist kein Projektmanager
  • Scrum Master ist Moderator/Coach, kein Vorgesetzter
  • Sprint = fester Zeitraum (meist 2 Wochen), kein Sprint darf unterbrochen werden
  • Daily Standup = 15 Minuten täglich: Was habe ich gestern gemacht? Was mache ich heute? Gibt es Hindernisse?

Siehe auch#

  • [[../11_service_managment/itil]] — ITIL als Rahmenwerk für IT-Servicemanagement
  • [[../11_service_managment/ishikawa_5why]] — Methoden zur Fehleranalyse und Prozessverbesserung

Ressourcen#