Zusammenfassung BTB-Prüfung#

ohne Gewähr – Kolb


LF 1 – Aufbauorganisation & Unternehmenskennzahlen#


1. Aufbauorganisation#

Organisationsprinzipien#

Abteilungen können nach zwei Gesichtspunkten gebildet werden:

PrinzipBeschreibungBeispiel
Funktionsprinzip (funktionsorientiert)Gleichartige Tätigkeiten werden zu Abteilungen zusammengefasstVersandhaus: Einkauf, Versand, Werbung, Verwaltung
Objektprinzip (objektorientiert)Gleichartige Objekte werden zu Abteilungen zusammengefasstKaufhaus für Unterhaltungselektronik: Fernseher, Radios, Computer…

Organisationssysteme – Grundtypen & kombinierte Formen#

Einliniensystem#
  • Jede Stelle erhält nur von einer Instanz Anweisungen
  • Jede Stelle ist nur einer Instanz verantwortlich
  • Jeder Mitarbeiter hat nur einen Vorgesetzten
  • Klarer Befehlsweg (oben → unten)
  • Zwei gleichrangige Stellen dürfen nur über gemeinsame Vorgesetzte Infos austauschen
  • Grundsatz der einheitlichen Auftragserteilung
VorteileNachteile
Eindeutige DienstwegeStarres System
Keine KompetenzstreitigkeitenÜberlastung der Vorgesetzten
Erleichterte KontrolleLange Dienstwege

Mehrliniensystem#
  • Jede Stelle erhält Weisungen von mehreren Vorgesetzten
  • Jeder Mitarbeiter hat mehrere Vorgesetzte
  • Grundsatz des kürzesten Weges (Arbeitsteilung)
VorteileNachteile
Verkürzung der DienstwegeAbstimmungsprobleme
Spezialisierung der InstanzenKompetenzprobleme
Flexibles SystemSchwierigere Kontrolle

Stabliniensystem#
  • Kombination aus Einlinien- und Mehrliniensystem
  • Zu den Linienstellen treten Stäbe als Spezialisten beratend hinzu
  • Stäbe haben keine Weisungsbefugnis, nur Unterstützungsfunktion
  • Grundsatz der einheitlichen Auftragserteilung und Grundsatz der Arbeitsteilung
VorteileNachteile
Vorteile des Einlinien- und MehrliniensystemsExpertenmacht der Stäbe
Vorgesetzte werden durch Spezialisten entlastetKeine Weisungsbefugnis der Stäbe

Spartenorganisation (kombinierte Form)#
  • Die Sparten sind eigene Unternehmensbereiche
  • Spartenleiter sind für die Geschäfte eigenverantwortlich
  • Neben Sparten gibt es noch eine Zentralabteilung für gemeinsame Aufgaben
  • Geschäftsleitung greift direkt auf Spartenleiter zu
VorteileNachteile
SpezialisierungHöhere Kosten durch Dezentralisierung
Kurze InformationswegeGefahr der Spartenkonkurrenz
Flexibles System

Matrixorganisation (kombinierte Form)#
  • Kombination aus Funktions- und Spartenorganisation
  • Schnittpunkte zwischen einzelnen Abteilungen ermöglichen Beziehungen
  • Es gibt weitgehend gleichberechtigte Abteilungen
  • Geschäftsleitung greift nur bei Unstimmigkeiten ein
VorteileNachteile
Förderung der ZusammenarbeitKompetenzprobleme
Unkomplizierte EntscheidungswegeVerantwortlichkeiten unklar
Entlastung der GeschäftsleitungKonflikte zwischen Managern

2. Rechtsformen im Überblick#

RechtsformGründungMindestkapitalGeschäftsführungHaftungGewinnVerlust
Einzelunternehmenallein durch Einzelunternehmerkein MindestkapitalEinzelunternehmer alleinallein und unbeschränkt mit Privat- und BetriebsvermögenEinzelunternehmer erhält Gewinn alleinEinzelunternehmer trägt Verlust allein
GbRmind. 2 Gesellschafterkein Mindestkapitalalle Gesellschafter gemeinschaftlich oder nach Vertragunbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit PrivatvermögenAufteilung nach KöpfenAufteilung nach Köpfen
OHGmind. 2 Gesellschafterkein Mindestkapitaljeder Gesellschafter oder nach Vertragunbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit Privatvermögen4 % vom Kapitalanteil, Rest nach KöpfenAufteilung nach Köpfen
KGmind. 1 Komplementär, 1 Kommanditistkein Mindestkapitalnur die KomplementäreKomplementäre: unbeschränkt; Kommanditisten: beschränkt auf Höhe der Kapitaleinlage4 % vom Kapitalanteil, Rest nach Risikoanteilnach Vertrag/nach angemessenen Anteilen
GmbHmind. 1 Personmind. 25.000 € Stammkapital (bei UG: 1 €)Geschäftsführer, von Gesellschafterversammlung bestelltbeschränkt auf GeschäftsanteileBeteiligung nach Geschäftsanteilenwird durch folgende Gewinne oder aus Rücklagen abgedeckt
AGmind. 1 Personmind. 50.000 € GrundkapitalVorstandbeschränkt auf das GesellschaftsvermögenDividende an Aktionäre, Erhöhung der Rücklagenwird aus Rücklagen abgedeckt

3. Kontrolle der Ziele – Kennzahlen#

Produktivität#

$$\text{Produktivität} = \frac{\text{Ausbringung (Output)}}{\text{Faktoreinsatzmengen (Input)}}$$

  • Arbeitsproduktivität:
    • Stundenproduktivität = Ausbringungsmenge / Arbeitsstunden
    • Mannproduktivität = Ausbringungsmenge / Beschäftigte
  • Kapitalproduktivität: Ausbringungsmenge / (Sach-)Kapitaleinsatz
  • ⚠️ Die Produktivität ist eine Mengengröße der technischen Ergiebigkeit
  • Probleme: kein unmittelbarer Ursache-Wirkung-Zusammenhang; Güteroutput vollzieht sich durch Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren

Wirtschaftlichkeit#

$$\text{Wirtschaftlichkeit} = \frac{\text{Leistung (in Preisen bewertete Ausbringung)}}{\text{Kosten (in Preisen bewertete Faktoreinsatzmengen)}}$$

  • Wirtschaftlichkeit ist eine Wertgröße der wertmäßigen Ergiebigkeit (Sparsamkeit)
  • Forderung: Wirtschaftlichkeit > 1
  • Ziel: minimale Kosten bei gegebener Leistung oder maximale Leistung bei gegebenen Kosten

Rentabilität#

Beurteilt die Ertragskraft des Unternehmens

KennzahlFormelAussage
Eigenkapitalrentabilität(Gewinn × 100) / durchschnittlich eingesetztes EKWar das EK rentabel (lohnenswert) eingesetzt? Vergleich mit Bankzinsen möglich
Gesamtkapitalrentabilität((Gewinn + Fremdkapitalzinsen) × 100) / durchschnittlich eingesetztes GKWas wäre gewesen, wenn der Unternehmer das Kapital komplett selbst aufgebracht hätte?
Umsatzrentabilität(Gewinn × 100) / UmsatzerlöseAuch „Umsatzverdienststrate" genannt; zeigt Selbstfinanzierungskraft

Berechnung des durchschnittlichen Kapitals: (Anfangskapital + Endkapital) / 2


Return on Invest (ROI)#

$$\text{ROI} = \frac{\text{Gewinn}}{\text{Umsatz}} \times \frac{\text{Umsatz}}{\text{Investiertes Kapital}} \times 100%$$ $$= \text{Umsatzrentabilität} \times \text{Kapitalumschlag} \times 100%$$

  • Auch bekannt als: Kapitalrentabilität, Kapitalrendite, Kapitalverzinsung, Anlagenrentabilität
  • Setzt Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Gesamtkapital
  • Gibt Auskunft über Erfolg und Leistung eines Unternehmens

TCO – Total Cost of Ownership#

  • Bei einer Investition spielt nicht nur der Kaufpreis eine Rolle
  • TCO berücksichtigt alle Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts
  • Lebenszyklusphasen: Beschaffung → Nutzung → Entsorgung
  • Kostenarten: Kauf, Installation, direkte & indirekte Betriebskosten, Ersatzteilkosten, Rückbau, Entsorgung

Kontrolle sozialer & ökologischer Ziele#

  • Mitarbeiterbefragungen, Kundenbefragungen, Statistiken

Weitere Methoden zur Messung der Zielerreichung#

  • EFQM (European Foundation for Quality Management): Ziel: „Best of Class" durch permanente Leistungsverbesserung (Mitarbeiterzufriedenheit, Produktionsabläufe, Geschäftsergebnisse)
  • Benchmarking: Vergleich von Produkten/Dienstleistungen, Arbeitsabläufen und Kennzahlen mit den besten Unternehmen (meist der gleichen Branche)

LF 2 – Beschaffung & Kaufrecht#


1. Ermitteln der Bezugsquellen#

Warum mehrere Bezugsquellen?

  • Angebotsvergleich möglich → bestes Angebot wählen
  • Ausweichmöglichkeit bei Lieferantenausfall
Interne InformationsquellenExterne Informationsquellen
LieferantendateiBranchenportale (z.B. „Wer liefert was?", „ABC der deutschen Wirtschaft")
ArtikeldateiGelbe Seiten
Berichte von VertriebsmitarbeiternAuskünfte der IHK
Auskünfte von Wirtschaftsverbänden
Messebesuche und Messekataloge
Ausstellungen, Firmenwebsites, Fachzeitschriften, Testberichte

2. Das Angebot#

Kaufmännische Bedeutung#

  • Lieferant weist konkrete Preise und Konditionen aus
  • Kann auf eine Anfrage bezogen oder unaufgefordert versandt werden

Juristische Bedeutung#

ArtBeschreibung
Verbindliches AngebotLieferant legt sich juristisch fest; Junsten nennen das einen „Antrag". Bei rechtzeitiger Bestellung unter Beibehaltung der Konditionen → Kaufvertrag abgeschlossen. Gültigkeitsdauer kann frei bestimmt werden; sonst: Bestellung innerhalb einer Woche
Unverbindliches AngebotDurch Freizeichnungsklauseln („freibleibend", „unverbindlich") ausgeschlossen. Kein Antrag im juristischen Sinne, nur Werbung/Anpreisung. Bestellung des Kunden gilt dann als neuer Antrag

Inhalt eines Angebots (Regel)#

  • Bezugnahme auf die Anfrage
  • Genaue Artikelbezeichnung / Beschreibung
  • Menge und Preis der Ware
  • Lieferbedingungen (Ort, Kosten, Termin)
  • Zahlungsbedingungen (Art, Termin, Skontobedingungen)
  • Sonstige Konditionen (Eigentumsübergang, Erfüllungsort, Gerichtsstand)

Fehlen Vereinbarungen → gesetzliche Regelung gilt


3. Wareneingangskontrolle (Checkliste)#

Schritt 1 – Grobe Prüfung (in Gegenwart des Frachtführers)#

Voraussetzungen: Frachtführer anwesend, Warenbegleitpapiere + Bestellkopie vorhanden

Kontrollfragen:

  • Erwarten wir eine Lieferung von diesem Lieferanten?
  • Ist die Lieferung an unseren Betrieb adressiert?
  • Wurde der Liefertermin eingehalten?
  • Stimmt die Anzahl der Packstücke mit den Warenbegleitpapieren überein?
  • Sind alle Packstücke äußerlich unversehrt?
Fall 1: Alle Fragen = JAFall 2: Nicht alle Fragen = JA
Lagerist zeichnet Warenbegleitpapiere ab und nimmt Ware anEinkauf entscheidet: Ware annehmen oder Annahme verweigern; alle Unstimmigkeiten schriftlich bestätigen lassen

Schritt 2 – Ausführliche Prüfung (vor endgültiger Einlagerung)#

Kontrollfragen:

  • Wurde die richtige Ware geliefert?
  • Wurde die richtige Menge geliefert?
  • Ist die Ware frei von Mängeln? (Bei großen Mengen: Stichproben)
Fall 1: Alle Fragen = JAFall 2: Nicht alle Fragen = JA
Ware in EDV-System erfassen und einlagernEinkauf informiert Lieferanten; Mängelrüge unverzüglich verfassen und versenden

4. Schlechtleistung (Sachmangel)#

Voraussetzungen (§ 434 BGB) – Mängel in der Beschaffenheit:#

  • (a) Nicht vertraglich vereinbarte Beschaffenheit (z.B. wasserdurchlässige statt wasserdichter Jacke)
  • (b) Nicht für vorausgesetzte Verwendung geeignet
  • (c) Nicht für gewöhnliche Verwendung geeignet / nicht allgemein übliche Beschaffenheit
  • (d) Nicht entsprechend Werbeaussagen/Produktbeschreibungen des Verkäufers
  • Mangel in der Montage (unsachgemäß durchgeführt, z.B. schiefe Schranktüren)
  • Mangel in der Montageanleitung (unverständlich/unvollständig – „IKEA-Klausel")
  • Falsch- oder Minderlieferung

Pflichten des Käufers (§ 377 HGB)#

PflichtBeschreibung
PrüfungspflichtWare sorgfältig und unverzüglich nach Anlieferung untersuchen
RügepflichtSachmängel dem Verkäufer mitteilen (Mängelrüge/Reklamation)
↳ Offene MängelUnverzüglich rügen
↳ Versteckte MängelUnverzüglich nach Entdeckung, spätestens innerhalb der 2-jährigen Gewährleistungsfrist
↳ Arglistig verschwiegene MängelUnverzüglich nach Entdeckung, spätestens 3 Jahre (§ 195 BGB); Fristbeginn: Ablauf des Jahres der Entdeckung
AufbewahrungspflichtBemängelte Ware sachgerecht aufbewahren und dem Verkäufer zur Verfügung stellen

⚠️ Kommt ein Kaufmann seiner Prüfungs- und/oder Rügepflicht nicht unverzüglich nach, verliert er seine Rechte aus der Schlechtleistung gegenüber dem Verkäufer.


5. Erfüllungsstörungen – Rechte des Käufers#

Vorrangige Rechte#

Der Käufer muss dem Verkäufer zunächst die Möglichkeit zur Nacherfüllung einräumen (keine Frist erforderlich):

  • Nacherfüllung (§ 439 BGB): Käufer kann zwischen Nachbesserung (Mangelbeseitigung) und Ersatzlieferung (Neu-/Nachlieferung) frei wählen. Kosten trägt der Verkäufer. Nacherfüllung gilt nach dem erfolglosen zweiten Versuch gemäß § 440 BGB als fehlgeschlagen.
  • Schadensersatz neben der Leistung (§ 280 BGB): Wenn ein Schaden entstanden ist und Verschulden des Verkäufers vorliegt.

Nachrangige Rechte (nach erfolglosem Ablauf einer angemessenen Nachfrist)#

RechtParagraphBeschreibung
Minderung§ 441 BGBAngemessene Herabsetzung des ursprünglichen Kaufpreises
Rücktritt vom Vertrag§ 323 BGBAuch ohne Verschulden des Verkäufers; nicht bei unerheblichem Mangel
Schadensersatz statt der Leistung§ 281 BGBBei Schaden und Verschulden des Verkäufers; kombinierbar mit Rücktritt (§ 325 BGB)

Die Nachfrist entfällt gemäß § 440 BGB bei: verweigerter, fehlgeschlagener oder unzumutbarer Nachbesserung; ernsthafter/endgültiger Leistungsverweigerung; Fix- oder Zweckkauf.

Besonderheiten beim Verbrauchsgüterkauf#

  • Keine Pflicht zur unverzüglichen Prüfung und Rüge (§ 438 BGB)
  • Rüge jeden Sachmangels innerhalb 2 Jahren möglich (3 Jahre bei arglistig verschwiegenen Mängeln)
  • Beweislastumkehr (§ 476 BGB): Zeigt sich Sachmangel innerhalb von 6 Monaten → Mangel gilt als von Anfang an vorhanden (zugunsten des Verbrauchers). Nach 6 Monaten muss der Verbraucher beweisen.
  • Vereinbarungen zum Nachteil des Verbrauchers sind unwirksam (§ 475 BGB)

6. Angebotsvergleich#

Quantitativer Angebotsvergleich – Bezugskalkulation#

Bezugspreis (BP) = Bareinkaufspreis (BEP) + Bezugskosten

SchrittBerechnung
Listeneinkaufspreis (LEP)gegeben
– Liefererrabatt% vom LEP
= Zieleinkaufspreis (ZEP)
– Liefererskonto% vom ZEP
= Bareinkaufspreis (BEP)
+ Bezugskostengegeben
= Bezugspreis (BP)

Qualitativer Angebotsvergleich – Nutzwertanalyse (Lieferantenbewertung)#

5 Schritte:

  1. Sammeln relevanter Bewertungskriterien (ggf. einschließlich Bezugspreis)
  2. Gewichten der Kriterien nach Bedeutung (Summe = 100 %)
  3. Bewerten der Lieferanten hinsichtlich der einzelnen Kriterien
  4. Multiplizieren der Gewichtungen mit den einzelnen Bewertungen
  5. Addieren der gewichteten Teilnoten zur Gesamtnote

LF 3 – Kosten & Kalkulation#


1. Kostenarten#

Fixe und variable Kosten#

KostenartBeschreibungBeispiele
Fixe KostenUnabhängig von der Produktionsmenge; bleiben immer gleich hochMieten, Darlehenszinsen, Versicherungsbeiträge, Personalkosten in Verwaltung/Lager
Variable KostenAbhängig von der Produktionsmenge; steigen mit der ProduktionMaterialkosten, Fertigungslöhne, Energiekosten, Transportkosten, Verpackungskosten
GesamtkostenFixe Kosten + Variable Kosten

Einzel- und Gemeinkosten#

KostenartBeschreibungBeispiele
EinzelkostenDirekt einem Produkt zuordenbar; immer variable KostenMaterialkosten, Fertigungslöhne
GemeinkostenNicht direkt zuordenbar; fallen für mehrere Produkte an; werden per Verteilungsschlüssel zugerechnet; können fix oder variabel seinEnergiekosten, Verwaltungskosten, Mietkosten, Kreditkosten, Steuern, Abschreibungen
  • Abschreibung: Werteverlust von Gegenständen (z.B. Maschinen, Lieferwagen) über einen längeren Zeitraum

2. Handelskalkulation#

Vorwärtskalkulation#

Ausgehend vom Einkaufspreis → Berechnung des Verkaufspreises

PositionRechnung
Einkaufspreis (Rechnungspreis)
– Liefererrabatt (%)
= Zieleinkaufspreis
– Liefererskonto (%)
= Bareinkaufspreis (BEP)
+ Bezugskosten
= Bezugspreis
+ Allg. Handlungskosten (%)
= Selbstkosten
+ Gewinn (%)
= Barverkaufspreis
+ Kundenskonto (%)
= Zielverkaufspreis
+ Kundenrabatt (%)
= Nettoverkaufspreis
+ MwSt. (19 %)
= Bruttoverkaufspreis

Rückwärtskalkulation#

Ausgehend vom bekannten Marktpreis (NVP) → Berechnung des maximal möglichen Einkaufspreises

  • Prozentrechnung bei Rabatt/Skonto (vom Kunden/Lieferanten): vom Hundert
  • Prozentrechnung bei Skonto (Liefererskonto): im Hundert

3. Zuschlagskalkulation in produzierenden Betrieben#

Position%
Fertigungsmaterial
+ Materialgemeinkosten15 %
= Materialkosten (MK)
– Fertigungslöhne
+ Fertigungsgemeinkosten107 %
= Fertigungskosten (FK)
= Herstellkosten = MK + FK
+ Verwaltungsgemeinkosten17 %
+ Vertriebsgemeinkosten8 %
= Selbstkosten
+ Gewinnzuschlag13 %
= Barverkaufspreis
+ Kundenskonto4 %
+ Vertreterprovision5 %
= Zielverkaufspreis
+ Kundenrabatt25 %
= Angebotspreis
+ Umsatzsteuer19 %
= Bruttoverkaufspreis

Bsp: FeMa = 200,00 €; FeLö = 150,00 €


4. Deckungsbeitragsrechnung & Preisuntergrenze#

Grundprinzip#

PositionFormel
Preis pro Stückgegeben
– Variable Kostengegeben
= Deckungsbeitrag pro Stück (db)
Deckungsbeitrag gesamt (DB)db × Absatzmenge
– Fixkostengegeben
= Betriebsergebnis (Gewinn/Verlust)
  • Absolute Preisuntergrenze: Nettoverkaufspreis = variable Stückkosten (DB = 0)
  • Ist DB > Fixkosten → Gewinn
  • Ist DB < Fixkosten → Verlust
  • Ist DB = Fixkosten → Gewinnschwelle (Break-Even)

5. Gewinnschwelle (Break-Even-Point)#

$$x_0 = \frac{K_f}{p - k_v} = \frac{K_f \text{ (fixe Gesamtkosten)}}{db \text{ (Deckungsbeitrag je Einheit)}}$$

Bedingung: Erlöse (E) = Kosten (K) → p · x = K_f + k_v · x

Beispiel:

  • Verkaufspreis je Stück: 350 €
  • Variable Kosten je Stück: 250 €
  • Deckungsbeitrag je Stück (db): 100 €
  • Fixkosten: 42.000 €
  • Gewinnschwelle = 42.000 / 100 = 420 Stück

6. BAB – Betriebsabrechnungsbogen#

  • Tabellarische Kostenstellenrechnung
  • Wird monatlich und jährlich aufgestellt
  • Senkrecht nach Kostenarten (Gemeinkosten), waagerecht nach Kostenstellen gegliedert
  • Kostenstellen: I Material, II Fertigung, III Verwaltung, IV Vertrieb

Verteilung der Gemeinkosten:

  • Direkt (aufgrund von Belegen = Kostenstellen-Einzelkosten): z.B. Lohnlisten, Gehaltslisten
  • Indirekt (mithilfe von Schlüsseln = Kostenstellen-Gemeinkosten): z.B. Miete nach Raumfläche, Versicherungen nach angelegten Werten

Zuschlagssätze:

  • Materialgemeinkostenzuschlag (MGK): auf Fertigungsmaterial
  • Fertigungsgemeinkostenzuschlag (FGK): auf Fertigungslöhne
  • Herstellkosten des Umsatzes (VwGK + VtGK): auf Herstellkosten

7. Beschaffungsmanagement – Übersicht#

ABC-Analyse#

  • Einteilung von Objekten in A (hoher Wert), B (mittlerer Wert), C (geringer Wert)
  • Ziel: Nur so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich an Lagerwert binden (Lagerzinsen!)
  • A-Güter werden besonders sorgfältig überwacht (Angebotsvergleiche, Preisverhandlungen, optimale Bestellmengen)

Lagerkennziffern#

  • Durchschnittlicher Lagerbestand
  • Lagerumschlagshäufigkeit
  • Durchschnittliche Lagerdauer
  • Lagerzinssatz / Lagerzinsen

Optimale Bestellmenge#

  • Je größer die Bestellmenge → weniger Bestellkosten, aber mehr Lagerhaltungskosten
  • Gesucht: Bestellmenge, bei der Bestellkosten + Lagerhaltungskosten = minimal

Bestellverfahren#

VerfahrenBeschreibung
BestellpunktverfahrenBestellung bei einem bestimmten Meldebestand
BestellrhythmusverfahrenBestellung in gleichbleibenden Zeitintervallen
Just-in-TimeFertigungssynchrone Lieferung – „Lager ist die Straße"

LF 6 – IT-Service & Qualitätsmanagement#


1. Servicevertrag / SLA (Service Level Agreement)#

Inhalte eines Servicevertrags#

  • Leistungen & Antwortzeiten
  • Nutzungszeiten des Kunden
  • Preis
  • Kommunikationsweg
  • Support & Lösungszeit
  • Servicezeiten & Erreichbarkeit
  • Zuverlässigkeit (Verfügbarkeit der Systeme)
  • Regeln der Priorisierung
  • Dokumentationswesen
  • Wartungsfenster
  • Mitwirkungspflicht des Kunden
  • Nachweispflicht (Reporting)

Service Level Vergleich (Beispiel)#

MerkmalService Level 1Service Level 2Service Level 3
Verfügbarkeit99 %99,5 %99,9 %
ServicebereitschaftMo–Fr 8–18 UhrMo–Fr 8–18 UhrMo–Fr 8–18 Uhr
Reaktionszeit auf Störungeninnerhalb von 24 hinnerhalb von 6 hinnerhalb von 2 h
Entstörunginnerhalb von 5 Tageninnerhalb von 1 Taginnerhalb von 8 h
Prioritätnormalhochhöchste
ExpressZuschlag +50 %Zuschlag +50 %Zuschlag +50 %

Ticket-Kategorien (AUFGABE 24 & 25)#

KategorieBeschreibung
Service RequestAnfrage nach einem Service (z.B. neue Lizenz, Angebotsanfrage)
IncidentUngeplante Unterbrechung oder Beeinträchtigung eines IT-Services
EventJedes messbare Ereignis im IT-Betrieb (auch ohne Störung)
WarningSystemwarnung, die auf ein mögliches Problem hinweist
ExceptionAusnahmesituation, die besonderer Behandlung bedarf
InformationReine Informationsmeldung

2. Kano-Modell#

Das Kano-Modell beschreibt die Zusammenhänge zwischen Produktmerkmalen und Kundenzufriedenheit:

MerkmalskategorieBeschreibungBeispiel (Online-Shop)
BasismerkmaleWerden vom Kunden vorausgesetzt; führen bei Erfüllung nicht zu Zufriedenheit, bei Nichterfüllung jedoch zu UnzufriedenheitNavigation, Shop-Logo, Hilfe
LeistungsmerkmaleJe besser erfüllt, desto zufriedener der KundeProduktbewertung, Anzeige des Merkzettels, FAQ
BegeisterungsmerkmaleWerden vom Kunden nicht erwartet; führen bei Erfüllung zu Begeisterung360°-Foto, Video, Zoomfunktion, Verfügbarkeitsanzeige

3. PDCA-Zyklus – Ein Denkmuster für mehr Qualität#

Der PDCA-Zyklus ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zur:

  • Verbesserung der Qualität von Produkten und Prozessen
  • Lösung von Problemen
  • Implementierung von Veränderungen
  • Testen von Verbesserungsmaßnahmen in kleinem Umfang

PDCA steht für:

PhaseBedeutung
P – PlanPlanung: Problem analysieren, Ziel definieren, Maßnahmen planen
D – DoDurchführung: Maßnahmen umsetzen (zunächst im kleinen Rahmen)
C – CheckÜberprüfung: Ergebnisse messen und mit dem Soll vergleichen
A – ActHandeln: Erfolgreiche Maßnahmen standardisieren oder Zyklus neu starten

Benannt nach dem Erfinder W. Edwards Deming → auch als Demingkreis bezeichnet.