Zusammenfassung BTB-Prüfung#
ohne Gewähr – Kolb
LF 1 – Aufbauorganisation & Unternehmenskennzahlen#
1. Aufbauorganisation#
Organisationsprinzipien#
Abteilungen können nach zwei Gesichtspunkten gebildet werden:
| Prinzip | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Funktionsprinzip (funktionsorientiert) | Gleichartige Tätigkeiten werden zu Abteilungen zusammengefasst | Versandhaus: Einkauf, Versand, Werbung, Verwaltung |
| Objektprinzip (objektorientiert) | Gleichartige Objekte werden zu Abteilungen zusammengefasst | Kaufhaus für Unterhaltungselektronik: Fernseher, Radios, Computer… |
Organisationssysteme – Grundtypen & kombinierte Formen#
Einliniensystem#
- Jede Stelle erhält nur von einer Instanz Anweisungen
- Jede Stelle ist nur einer Instanz verantwortlich
- Jeder Mitarbeiter hat nur einen Vorgesetzten
- Klarer Befehlsweg (oben → unten)
- Zwei gleichrangige Stellen dürfen nur über gemeinsame Vorgesetzte Infos austauschen
- Grundsatz der einheitlichen Auftragserteilung
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Eindeutige Dienstwege | Starres System |
| Keine Kompetenzstreitigkeiten | Überlastung der Vorgesetzten |
| Erleichterte Kontrolle | Lange Dienstwege |
Mehrliniensystem#
- Jede Stelle erhält Weisungen von mehreren Vorgesetzten
- Jeder Mitarbeiter hat mehrere Vorgesetzte
- Grundsatz des kürzesten Weges (Arbeitsteilung)
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Verkürzung der Dienstwege | Abstimmungsprobleme |
| Spezialisierung der Instanzen | Kompetenzprobleme |
| Flexibles System | Schwierigere Kontrolle |
Stabliniensystem#
- Kombination aus Einlinien- und Mehrliniensystem
- Zu den Linienstellen treten Stäbe als Spezialisten beratend hinzu
- Stäbe haben keine Weisungsbefugnis, nur Unterstützungsfunktion
- Grundsatz der einheitlichen Auftragserteilung und Grundsatz der Arbeitsteilung
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Vorteile des Einlinien- und Mehrliniensystems | Expertenmacht der Stäbe |
| Vorgesetzte werden durch Spezialisten entlastet | Keine Weisungsbefugnis der Stäbe |
Spartenorganisation (kombinierte Form)#
- Die Sparten sind eigene Unternehmensbereiche
- Spartenleiter sind für die Geschäfte eigenverantwortlich
- Neben Sparten gibt es noch eine Zentralabteilung für gemeinsame Aufgaben
- Geschäftsleitung greift direkt auf Spartenleiter zu
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Spezialisierung | Höhere Kosten durch Dezentralisierung |
| Kurze Informationswege | Gefahr der Spartenkonkurrenz |
| Flexibles System |
Matrixorganisation (kombinierte Form)#
- Kombination aus Funktions- und Spartenorganisation
- Schnittpunkte zwischen einzelnen Abteilungen ermöglichen Beziehungen
- Es gibt weitgehend gleichberechtigte Abteilungen
- Geschäftsleitung greift nur bei Unstimmigkeiten ein
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Förderung der Zusammenarbeit | Kompetenzprobleme |
| Unkomplizierte Entscheidungswege | Verantwortlichkeiten unklar |
| Entlastung der Geschäftsleitung | Konflikte zwischen Managern |
2. Rechtsformen im Überblick#
| Rechtsform | Gründung | Mindestkapital | Geschäftsführung | Haftung | Gewinn | Verlust |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Einzelunternehmen | allein durch Einzelunternehmer | kein Mindestkapital | Einzelunternehmer allein | allein und unbeschränkt mit Privat- und Betriebsvermögen | Einzelunternehmer erhält Gewinn allein | Einzelunternehmer trägt Verlust allein |
| GbR | mind. 2 Gesellschafter | kein Mindestkapital | alle Gesellschafter gemeinschaftlich oder nach Vertrag | unbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit Privatvermögen | Aufteilung nach Köpfen | Aufteilung nach Köpfen |
| OHG | mind. 2 Gesellschafter | kein Mindestkapital | jeder Gesellschafter oder nach Vertrag | unbeschränkt und gesamtschuldnerisch mit Privatvermögen | 4 % vom Kapitalanteil, Rest nach Köpfen | Aufteilung nach Köpfen |
| KG | mind. 1 Komplementär, 1 Kommanditist | kein Mindestkapital | nur die Komplementäre | Komplementäre: unbeschränkt; Kommanditisten: beschränkt auf Höhe der Kapitaleinlage | 4 % vom Kapitalanteil, Rest nach Risikoanteil | nach Vertrag/nach angemessenen Anteilen |
| GmbH | mind. 1 Person | mind. 25.000 € Stammkapital (bei UG: 1 €) | Geschäftsführer, von Gesellschafterversammlung bestellt | beschränkt auf Geschäftsanteile | Beteiligung nach Geschäftsanteilen | wird durch folgende Gewinne oder aus Rücklagen abgedeckt |
| AG | mind. 1 Person | mind. 50.000 € Grundkapital | Vorstand | beschränkt auf das Gesellschaftsvermögen | Dividende an Aktionäre, Erhöhung der Rücklagen | wird aus Rücklagen abgedeckt |
3. Kontrolle der Ziele – Kennzahlen#
Produktivität#
$$\text{Produktivität} = \frac{\text{Ausbringung (Output)}}{\text{Faktoreinsatzmengen (Input)}}$$
- Arbeitsproduktivität:
- Stundenproduktivität = Ausbringungsmenge / Arbeitsstunden
- Mannproduktivität = Ausbringungsmenge / Beschäftigte
- Kapitalproduktivität: Ausbringungsmenge / (Sach-)Kapitaleinsatz
- ⚠️ Die Produktivität ist eine Mengengröße der technischen Ergiebigkeit
- Probleme: kein unmittelbarer Ursache-Wirkung-Zusammenhang; Güteroutput vollzieht sich durch Zusammenwirken aller Produktionsfaktoren
Wirtschaftlichkeit#
$$\text{Wirtschaftlichkeit} = \frac{\text{Leistung (in Preisen bewertete Ausbringung)}}{\text{Kosten (in Preisen bewertete Faktoreinsatzmengen)}}$$
- Wirtschaftlichkeit ist eine Wertgröße der wertmäßigen Ergiebigkeit (Sparsamkeit)
- Forderung: Wirtschaftlichkeit > 1
- Ziel: minimale Kosten bei gegebener Leistung oder maximale Leistung bei gegebenen Kosten
Rentabilität#
Beurteilt die Ertragskraft des Unternehmens
| Kennzahl | Formel | Aussage |
|---|---|---|
| Eigenkapitalrentabilität | (Gewinn × 100) / durchschnittlich eingesetztes EK | War das EK rentabel (lohnenswert) eingesetzt? Vergleich mit Bankzinsen möglich |
| Gesamtkapitalrentabilität | ((Gewinn + Fremdkapitalzinsen) × 100) / durchschnittlich eingesetztes GK | Was wäre gewesen, wenn der Unternehmer das Kapital komplett selbst aufgebracht hätte? |
| Umsatzrentabilität | (Gewinn × 100) / Umsatzerlöse | Auch „Umsatzverdienststrate" genannt; zeigt Selbstfinanzierungskraft |
Berechnung des durchschnittlichen Kapitals: (Anfangskapital + Endkapital) / 2
Return on Invest (ROI)#
$$\text{ROI} = \frac{\text{Gewinn}}{\text{Umsatz}} \times \frac{\text{Umsatz}}{\text{Investiertes Kapital}} \times 100%$$ $$= \text{Umsatzrentabilität} \times \text{Kapitalumschlag} \times 100%$$
- Auch bekannt als: Kapitalrentabilität, Kapitalrendite, Kapitalverzinsung, Anlagenrentabilität
- Setzt Gewinn ins Verhältnis zum eingesetzten Gesamtkapital
- Gibt Auskunft über Erfolg und Leistung eines Unternehmens
TCO – Total Cost of Ownership#
- Bei einer Investition spielt nicht nur der Kaufpreis eine Rolle
- TCO berücksichtigt alle Kosten über den gesamten Lebenszyklus eines Produkts
- Lebenszyklusphasen: Beschaffung → Nutzung → Entsorgung
- Kostenarten: Kauf, Installation, direkte & indirekte Betriebskosten, Ersatzteilkosten, Rückbau, Entsorgung
Kontrolle sozialer & ökologischer Ziele#
- Mitarbeiterbefragungen, Kundenbefragungen, Statistiken
Weitere Methoden zur Messung der Zielerreichung#
- EFQM (European Foundation for Quality Management): Ziel: „Best of Class" durch permanente Leistungsverbesserung (Mitarbeiterzufriedenheit, Produktionsabläufe, Geschäftsergebnisse)
- Benchmarking: Vergleich von Produkten/Dienstleistungen, Arbeitsabläufen und Kennzahlen mit den besten Unternehmen (meist der gleichen Branche)
LF 2 – Beschaffung & Kaufrecht#
1. Ermitteln der Bezugsquellen#
Warum mehrere Bezugsquellen?
- Angebotsvergleich möglich → bestes Angebot wählen
- Ausweichmöglichkeit bei Lieferantenausfall
| Interne Informationsquellen | Externe Informationsquellen |
|---|---|
| Lieferantendatei | Branchenportale (z.B. „Wer liefert was?", „ABC der deutschen Wirtschaft") |
| Artikeldatei | Gelbe Seiten |
| Berichte von Vertriebsmitarbeitern | Auskünfte der IHK |
| Auskünfte von Wirtschaftsverbänden | |
| Messebesuche und Messekataloge | |
| Ausstellungen, Firmenwebsites, Fachzeitschriften, Testberichte |
2. Das Angebot#
Kaufmännische Bedeutung#
- Lieferant weist konkrete Preise und Konditionen aus
- Kann auf eine Anfrage bezogen oder unaufgefordert versandt werden
Juristische Bedeutung#
| Art | Beschreibung |
|---|---|
| Verbindliches Angebot | Lieferant legt sich juristisch fest; Junsten nennen das einen „Antrag". Bei rechtzeitiger Bestellung unter Beibehaltung der Konditionen → Kaufvertrag abgeschlossen. Gültigkeitsdauer kann frei bestimmt werden; sonst: Bestellung innerhalb einer Woche |
| Unverbindliches Angebot | Durch Freizeichnungsklauseln („freibleibend", „unverbindlich") ausgeschlossen. Kein Antrag im juristischen Sinne, nur Werbung/Anpreisung. Bestellung des Kunden gilt dann als neuer Antrag |
Inhalt eines Angebots (Regel)#
- Bezugnahme auf die Anfrage
- Genaue Artikelbezeichnung / Beschreibung
- Menge und Preis der Ware
- Lieferbedingungen (Ort, Kosten, Termin)
- Zahlungsbedingungen (Art, Termin, Skontobedingungen)
- Sonstige Konditionen (Eigentumsübergang, Erfüllungsort, Gerichtsstand)
Fehlen Vereinbarungen → gesetzliche Regelung gilt
3. Wareneingangskontrolle (Checkliste)#
Schritt 1 – Grobe Prüfung (in Gegenwart des Frachtführers)#
Voraussetzungen: Frachtführer anwesend, Warenbegleitpapiere + Bestellkopie vorhanden
Kontrollfragen:
- Erwarten wir eine Lieferung von diesem Lieferanten?
- Ist die Lieferung an unseren Betrieb adressiert?
- Wurde der Liefertermin eingehalten?
- Stimmt die Anzahl der Packstücke mit den Warenbegleitpapieren überein?
- Sind alle Packstücke äußerlich unversehrt?
| Fall 1: Alle Fragen = JA | Fall 2: Nicht alle Fragen = JA |
|---|---|
| Lagerist zeichnet Warenbegleitpapiere ab und nimmt Ware an | Einkauf entscheidet: Ware annehmen oder Annahme verweigern; alle Unstimmigkeiten schriftlich bestätigen lassen |
Schritt 2 – Ausführliche Prüfung (vor endgültiger Einlagerung)#
Kontrollfragen:
- Wurde die richtige Ware geliefert?
- Wurde die richtige Menge geliefert?
- Ist die Ware frei von Mängeln? (Bei großen Mengen: Stichproben)
| Fall 1: Alle Fragen = JA | Fall 2: Nicht alle Fragen = JA |
|---|---|
| Ware in EDV-System erfassen und einlagern | Einkauf informiert Lieferanten; Mängelrüge unverzüglich verfassen und versenden |
4. Schlechtleistung (Sachmangel)#
Voraussetzungen (§ 434 BGB) – Mängel in der Beschaffenheit:#
- (a) Nicht vertraglich vereinbarte Beschaffenheit (z.B. wasserdurchlässige statt wasserdichter Jacke)
- (b) Nicht für vorausgesetzte Verwendung geeignet
- (c) Nicht für gewöhnliche Verwendung geeignet / nicht allgemein übliche Beschaffenheit
- (d) Nicht entsprechend Werbeaussagen/Produktbeschreibungen des Verkäufers
- Mangel in der Montage (unsachgemäß durchgeführt, z.B. schiefe Schranktüren)
- Mangel in der Montageanleitung (unverständlich/unvollständig – „IKEA-Klausel")
- Falsch- oder Minderlieferung
Pflichten des Käufers (§ 377 HGB)#
| Pflicht | Beschreibung |
|---|---|
| Prüfungspflicht | Ware sorgfältig und unverzüglich nach Anlieferung untersuchen |
| Rügepflicht | Sachmängel dem Verkäufer mitteilen (Mängelrüge/Reklamation) |
| ↳ Offene Mängel | Unverzüglich rügen |
| ↳ Versteckte Mängel | Unverzüglich nach Entdeckung, spätestens innerhalb der 2-jährigen Gewährleistungsfrist |
| ↳ Arglistig verschwiegene Mängel | Unverzüglich nach Entdeckung, spätestens 3 Jahre (§ 195 BGB); Fristbeginn: Ablauf des Jahres der Entdeckung |
| Aufbewahrungspflicht | Bemängelte Ware sachgerecht aufbewahren und dem Verkäufer zur Verfügung stellen |
⚠️ Kommt ein Kaufmann seiner Prüfungs- und/oder Rügepflicht nicht unverzüglich nach, verliert er seine Rechte aus der Schlechtleistung gegenüber dem Verkäufer.
5. Erfüllungsstörungen – Rechte des Käufers#
Vorrangige Rechte#
Der Käufer muss dem Verkäufer zunächst die Möglichkeit zur Nacherfüllung einräumen (keine Frist erforderlich):
- Nacherfüllung (§ 439 BGB): Käufer kann zwischen Nachbesserung (Mangelbeseitigung) und Ersatzlieferung (Neu-/Nachlieferung) frei wählen. Kosten trägt der Verkäufer. Nacherfüllung gilt nach dem erfolglosen zweiten Versuch gemäß § 440 BGB als fehlgeschlagen.
- Schadensersatz neben der Leistung (§ 280 BGB): Wenn ein Schaden entstanden ist und Verschulden des Verkäufers vorliegt.
Nachrangige Rechte (nach erfolglosem Ablauf einer angemessenen Nachfrist)#
| Recht | Paragraph | Beschreibung |
|---|---|---|
| Minderung | § 441 BGB | Angemessene Herabsetzung des ursprünglichen Kaufpreises |
| Rücktritt vom Vertrag | § 323 BGB | Auch ohne Verschulden des Verkäufers; nicht bei unerheblichem Mangel |
| Schadensersatz statt der Leistung | § 281 BGB | Bei Schaden und Verschulden des Verkäufers; kombinierbar mit Rücktritt (§ 325 BGB) |
Die Nachfrist entfällt gemäß § 440 BGB bei: verweigerter, fehlgeschlagener oder unzumutbarer Nachbesserung; ernsthafter/endgültiger Leistungsverweigerung; Fix- oder Zweckkauf.
Besonderheiten beim Verbrauchsgüterkauf#
- Keine Pflicht zur unverzüglichen Prüfung und Rüge (§ 438 BGB)
- Rüge jeden Sachmangels innerhalb 2 Jahren möglich (3 Jahre bei arglistig verschwiegenen Mängeln)
- Beweislastumkehr (§ 476 BGB): Zeigt sich Sachmangel innerhalb von 6 Monaten → Mangel gilt als von Anfang an vorhanden (zugunsten des Verbrauchers). Nach 6 Monaten muss der Verbraucher beweisen.
- Vereinbarungen zum Nachteil des Verbrauchers sind unwirksam (§ 475 BGB)
6. Angebotsvergleich#
Quantitativer Angebotsvergleich – Bezugskalkulation#
Bezugspreis (BP) = Bareinkaufspreis (BEP) + Bezugskosten
| Schritt | Berechnung |
|---|---|
| Listeneinkaufspreis (LEP) | gegeben |
| – Liefererrabatt | % vom LEP |
| = Zieleinkaufspreis (ZEP) | |
| – Liefererskonto | % vom ZEP |
| = Bareinkaufspreis (BEP) | |
| + Bezugskosten | gegeben |
| = Bezugspreis (BP) |
Qualitativer Angebotsvergleich – Nutzwertanalyse (Lieferantenbewertung)#
5 Schritte:
- Sammeln relevanter Bewertungskriterien (ggf. einschließlich Bezugspreis)
- Gewichten der Kriterien nach Bedeutung (Summe = 100 %)
- Bewerten der Lieferanten hinsichtlich der einzelnen Kriterien
- Multiplizieren der Gewichtungen mit den einzelnen Bewertungen
- Addieren der gewichteten Teilnoten zur Gesamtnote
LF 3 – Kosten & Kalkulation#
1. Kostenarten#
Fixe und variable Kosten#
| Kostenart | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Fixe Kosten | Unabhängig von der Produktionsmenge; bleiben immer gleich hoch | Mieten, Darlehenszinsen, Versicherungsbeiträge, Personalkosten in Verwaltung/Lager |
| Variable Kosten | Abhängig von der Produktionsmenge; steigen mit der Produktion | Materialkosten, Fertigungslöhne, Energiekosten, Transportkosten, Verpackungskosten |
| Gesamtkosten | Fixe Kosten + Variable Kosten |
Einzel- und Gemeinkosten#
| Kostenart | Beschreibung | Beispiele |
|---|---|---|
| Einzelkosten | Direkt einem Produkt zuordenbar; immer variable Kosten | Materialkosten, Fertigungslöhne |
| Gemeinkosten | Nicht direkt zuordenbar; fallen für mehrere Produkte an; werden per Verteilungsschlüssel zugerechnet; können fix oder variabel sein | Energiekosten, Verwaltungskosten, Mietkosten, Kreditkosten, Steuern, Abschreibungen |
- Abschreibung: Werteverlust von Gegenständen (z.B. Maschinen, Lieferwagen) über einen längeren Zeitraum
2. Handelskalkulation#
Vorwärtskalkulation#
Ausgehend vom Einkaufspreis → Berechnung des Verkaufspreises
| Position | Rechnung |
|---|---|
| Einkaufspreis (Rechnungspreis) | |
| – Liefererrabatt (%) | |
| = Zieleinkaufspreis | |
| – Liefererskonto (%) | |
| = Bareinkaufspreis (BEP) | |
| + Bezugskosten | |
| = Bezugspreis | |
| + Allg. Handlungskosten (%) | |
| = Selbstkosten | |
| + Gewinn (%) | |
| = Barverkaufspreis | |
| + Kundenskonto (%) | |
| = Zielverkaufspreis | |
| + Kundenrabatt (%) | |
| = Nettoverkaufspreis | |
| + MwSt. (19 %) | |
| = Bruttoverkaufspreis |
Rückwärtskalkulation#
Ausgehend vom bekannten Marktpreis (NVP) → Berechnung des maximal möglichen Einkaufspreises
- Prozentrechnung bei Rabatt/Skonto (vom Kunden/Lieferanten): vom Hundert
- Prozentrechnung bei Skonto (Liefererskonto): im Hundert
3. Zuschlagskalkulation in produzierenden Betrieben#
| Position | % |
|---|---|
| Fertigungsmaterial | |
| + Materialgemeinkosten | 15 % |
| = Materialkosten (MK) | |
| – Fertigungslöhne | |
| + Fertigungsgemeinkosten | 107 % |
| = Fertigungskosten (FK) | |
| = Herstellkosten = MK + FK | |
| + Verwaltungsgemeinkosten | 17 % |
| + Vertriebsgemeinkosten | 8 % |
| = Selbstkosten | |
| + Gewinnzuschlag | 13 % |
| = Barverkaufspreis | |
| + Kundenskonto | 4 % |
| + Vertreterprovision | 5 % |
| = Zielverkaufspreis | |
| + Kundenrabatt | 25 % |
| = Angebotspreis | |
| + Umsatzsteuer | 19 % |
| = Bruttoverkaufspreis |
Bsp: FeMa = 200,00 €; FeLö = 150,00 €
4. Deckungsbeitragsrechnung & Preisuntergrenze#
Grundprinzip#
| Position | Formel |
|---|---|
| Preis pro Stück | gegeben |
| – Variable Kosten | gegeben |
| = Deckungsbeitrag pro Stück (db) | |
| Deckungsbeitrag gesamt (DB) | db × Absatzmenge |
| – Fixkosten | gegeben |
| = Betriebsergebnis (Gewinn/Verlust) |
- Absolute Preisuntergrenze: Nettoverkaufspreis = variable Stückkosten (DB = 0)
- Ist DB > Fixkosten → Gewinn
- Ist DB < Fixkosten → Verlust
- Ist DB = Fixkosten → Gewinnschwelle (Break-Even)
5. Gewinnschwelle (Break-Even-Point)#
$$x_0 = \frac{K_f}{p - k_v} = \frac{K_f \text{ (fixe Gesamtkosten)}}{db \text{ (Deckungsbeitrag je Einheit)}}$$
Bedingung: Erlöse (E) = Kosten (K) → p · x = K_f + k_v · x
Beispiel:
- Verkaufspreis je Stück: 350 €
- Variable Kosten je Stück: 250 €
- Deckungsbeitrag je Stück (db): 100 €
- Fixkosten: 42.000 €
- Gewinnschwelle = 42.000 / 100 = 420 Stück
6. BAB – Betriebsabrechnungsbogen#
- Tabellarische Kostenstellenrechnung
- Wird monatlich und jährlich aufgestellt
- Senkrecht nach Kostenarten (Gemeinkosten), waagerecht nach Kostenstellen gegliedert
- Kostenstellen: I Material, II Fertigung, III Verwaltung, IV Vertrieb
Verteilung der Gemeinkosten:
- Direkt (aufgrund von Belegen = Kostenstellen-Einzelkosten): z.B. Lohnlisten, Gehaltslisten
- Indirekt (mithilfe von Schlüsseln = Kostenstellen-Gemeinkosten): z.B. Miete nach Raumfläche, Versicherungen nach angelegten Werten
Zuschlagssätze:
- Materialgemeinkostenzuschlag (MGK): auf Fertigungsmaterial
- Fertigungsgemeinkostenzuschlag (FGK): auf Fertigungslöhne
- Herstellkosten des Umsatzes (VwGK + VtGK): auf Herstellkosten
7. Beschaffungsmanagement – Übersicht#
ABC-Analyse#
- Einteilung von Objekten in A (hoher Wert), B (mittlerer Wert), C (geringer Wert)
- Ziel: Nur so viel wie nötig, aber so wenig wie möglich an Lagerwert binden (Lagerzinsen!)
- A-Güter werden besonders sorgfältig überwacht (Angebotsvergleiche, Preisverhandlungen, optimale Bestellmengen)
Lagerkennziffern#
- Durchschnittlicher Lagerbestand
- Lagerumschlagshäufigkeit
- Durchschnittliche Lagerdauer
- Lagerzinssatz / Lagerzinsen
Optimale Bestellmenge#
- Je größer die Bestellmenge → weniger Bestellkosten, aber mehr Lagerhaltungskosten
- Gesucht: Bestellmenge, bei der Bestellkosten + Lagerhaltungskosten = minimal
Bestellverfahren#
| Verfahren | Beschreibung |
|---|---|
| Bestellpunktverfahren | Bestellung bei einem bestimmten Meldebestand |
| Bestellrhythmusverfahren | Bestellung in gleichbleibenden Zeitintervallen |
| Just-in-Time | Fertigungssynchrone Lieferung – „Lager ist die Straße" |
LF 6 – IT-Service & Qualitätsmanagement#
1. Servicevertrag / SLA (Service Level Agreement)#
Inhalte eines Servicevertrags#
- Leistungen & Antwortzeiten
- Nutzungszeiten des Kunden
- Preis
- Kommunikationsweg
- Support & Lösungszeit
- Servicezeiten & Erreichbarkeit
- Zuverlässigkeit (Verfügbarkeit der Systeme)
- Regeln der Priorisierung
- Dokumentationswesen
- Wartungsfenster
- Mitwirkungspflicht des Kunden
- Nachweispflicht (Reporting)
Service Level Vergleich (Beispiel)#
| Merkmal | Service Level 1 | Service Level 2 | Service Level 3 |
|---|---|---|---|
| Verfügbarkeit | 99 % | 99,5 % | 99,9 % |
| Servicebereitschaft | Mo–Fr 8–18 Uhr | Mo–Fr 8–18 Uhr | Mo–Fr 8–18 Uhr |
| Reaktionszeit auf Störungen | innerhalb von 24 h | innerhalb von 6 h | innerhalb von 2 h |
| Entstörung | innerhalb von 5 Tagen | innerhalb von 1 Tag | innerhalb von 8 h |
| Priorität | normal | hoch | höchste |
| Express | Zuschlag +50 % | Zuschlag +50 % | Zuschlag +50 % |
Ticket-Kategorien (AUFGABE 24 & 25)#
| Kategorie | Beschreibung |
|---|---|
| Service Request | Anfrage nach einem Service (z.B. neue Lizenz, Angebotsanfrage) |
| Incident | Ungeplante Unterbrechung oder Beeinträchtigung eines IT-Services |
| Event | Jedes messbare Ereignis im IT-Betrieb (auch ohne Störung) |
| Warning | Systemwarnung, die auf ein mögliches Problem hinweist |
| Exception | Ausnahmesituation, die besonderer Behandlung bedarf |
| Information | Reine Informationsmeldung |
2. Kano-Modell#
Das Kano-Modell beschreibt die Zusammenhänge zwischen Produktmerkmalen und Kundenzufriedenheit:
| Merkmalskategorie | Beschreibung | Beispiel (Online-Shop) |
|---|---|---|
| Basismerkmale | Werden vom Kunden vorausgesetzt; führen bei Erfüllung nicht zu Zufriedenheit, bei Nichterfüllung jedoch zu Unzufriedenheit | Navigation, Shop-Logo, Hilfe |
| Leistungsmerkmale | Je besser erfüllt, desto zufriedener der Kunde | Produktbewertung, Anzeige des Merkzettels, FAQ |
| Begeisterungsmerkmale | Werden vom Kunden nicht erwartet; führen bei Erfüllung zu Begeisterung | 360°-Foto, Video, Zoomfunktion, Verfügbarkeitsanzeige |
3. PDCA-Zyklus – Ein Denkmuster für mehr Qualität#
Der PDCA-Zyklus ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess zur:
- Verbesserung der Qualität von Produkten und Prozessen
- Lösung von Problemen
- Implementierung von Veränderungen
- Testen von Verbesserungsmaßnahmen in kleinem Umfang
PDCA steht für:
| Phase | Bedeutung |
|---|---|
| P – Plan | Planung: Problem analysieren, Ziel definieren, Maßnahmen planen |
| D – Do | Durchführung: Maßnahmen umsetzen (zunächst im kleinen Rahmen) |
| C – Check | Überprüfung: Ergebnisse messen und mit dem Soll vergleichen |
| A – Act | Handeln: Erfolgreiche Maßnahmen standardisieren oder Zyklus neu starten |
Benannt nach dem Erfinder W. Edwards Deming → auch als Demingkreis bezeichnet.