Agile Methoden

Agile Methoden#

Agile Methoden sind iterative, flexible Vorgehensmodelle für die Projektdurchführung — im Gegensatz zum klassischen Wasserfallmodell, bei dem alles vorab geplant wird.


1. Agiles Manifest (4 Werte)#

Das Agile Manifest (2001) formuliert vier Kernwerte:

Agile bevorzugt……statt…
Individuen und InteraktionenProzesse und Werkzeuge
Funktionierende SoftwareUmfassende Dokumentation
Zusammenarbeit mit dem KundenVertragsverhandlungen
Reagieren auf VeränderungBefolgen eines Plans

Beide Seiten haben Wert — aber die linke Seite wird höher bewertet.

Ishikawa-Diagramm & 5-Why

Ishikawa-Diagramm & 5-Why#

Zwei Methoden zur systematischen Ursachenanalyse bei Fehlern und Problemen.


Ishikawa-Diagramm (Fischgräten-Diagramm)#

Visualisiert mögliche Ursachen eines Problems in Kategorien. Die Form ähnelt einem Fischskelett.

                    Mensch              Methode
                      │                   │
              ────────┼───────────────────┼────────
              fehlendes│               falsches │
              Training │              Vorgehen  │
                       │                        │
    ═══════════════════╪════════════════════════╪══════► PROBLEM:
                       │                        │       "Drucker druckt
              defektes │           falscher     │        nicht"
              Kabel    │           Treiber      │
              ─────────┼───────────────────────┼────────
                      │                   │
                  Maschine            Material

Die 6M-Kategorien (klassisch, Industrie)#

KategorieBeschreibungIT-Beispiel
MenschFehler durch PersonenFalsche Bedienung, fehlendes Training
MaschineTechnische DefekteDefekte Netzwerkkarte, überhitzter Server
MethodeProzess- oder VorgehenfehlerFalsches Backup-Konzept, kein Ticketsystem
MaterialProbleme mit RessourcenFalsches Kabel, schlechte Hardware-Qualität
MilieuUmgebungsfaktorenÜberhitzung durch schlechte Belüftung
MessungFehler bei Kontrolle/MonitoringKein Monitoring, fehlerhafte Logs

Vorgehen#

  1. Problem klar definieren (rechte Seite des Fischkopfs)
  2. Hauptkategorien (6M) als Gräten einzeichnen
  3. Mögliche Ursachen brainstormen und den Kategorien zuordnen
  4. Wahrscheinlichste Ursachen priorisieren

5-Why-Methode#

Durch wiederholtes Fragen „Warum?" (mind. 5×) wird die Grundursache eines Problems gefunden.

ITIL: Incident / Problem / Change

ITIL: Incident / Problem / Change#

ITIL (Information Technology Infrastructure Library) ist ein Rahmenwerk für IT-Servicemanagement. Drei zentrale Begriffe sind prüfungsrelevant.

Übersicht#

BegriffDefinitionZielBeispiel
IncidentUngeplante Unterbrechung oder Qualitätsminderung eines IT-ServicesSchnellstmögliche Wiederherstellung des BetriebsDrucker druckt nicht, Netzwerk ausgefallen
ProblemUrsache eines oder mehrerer Incidents (oft unbekannt)Dauerhafte Beseitigung der UrsacheWarum fällt der Drucker immer wieder aus?
ChangeGeplante Änderung an IT-Infrastruktur oder ServicesKontrollierten Wandel ermöglichen, Risiken minimierenNeue Firmware, Server-Umzug, Software-Update

Abgrenzung im Detail#

flowchart TD
    A["Incident: 'Der Server ist down!'<br/>sofort beheben → Service läuft wieder"]
    B["Problem: 'Warum fällt der Server immer aus?'<br/>Ursachenanalyse → dauerhafte Lösung"]
    C["Change: 'Wir tauschen die Festplatten aus'<br/>geplant, genehmigt, dokumentiert"]
    A -->|wiederholt sich| B
    B -->|Lösung erfordert Umbau| C

Incident-Bearbeitung#

SchrittBeschreibung
1. Erkennung & ErfassungTicket erstellen, Datum/Uhrzeit, betroffene Systeme
2. KlassifizierungPriorität bestimmen: Dringlichkeit × Auswirkung
3. Erstdiagnose1st-Level-Support versucht Sofortlösung
4. EskalationBei Bedarf → 2nd Level (technisch) → 3rd Level (Hersteller/Spezialist)
5. Lösung & WiederherstellungService wieder verfügbar machen
6. AbschlussTicket schließen, Lösung dokumentieren, Nutzer informieren

Prioritätsmatrix (Dringlichkeit × Auswirkung)#

Hohe AuswirkungNiedrige Auswirkung
Hohe DringlichkeitKritisch (sofort)Hoch
Niedrige DringlichkeitMittelNiedrig

Change-Typen#

TypBeschreibungGenehmigung
Standard ChangeRoutineänderung, vorab genehmigtVorab (Blanko)
Normal ChangeGeplante Änderung mit GenehmigungsprozessCAB (Change Advisory Board)
Emergency ChangeNotfalländerung zur SchadensbegrenzungVereinfacht, nachträglich dokumentiert

SLA – Service Level Agreement#

Ein SLA legt vertraglich fest, welche Servicequalität garantiert wird:

Klassisches Projektmanagement (Wasserfall)

Klassisches Projektmanagement (Wasserfall)#

Im Gegensatz zu agilen Methoden plant das klassische (plangetriebene) Projektmanagement ein Projekt vollständig im Voraus und arbeitet die Phasen sequentiell ab.


Das Wasserfallmodell#

flowchart TD
  A[Anforderungsanalyse] --> B[Planung/Design]
  B --> C[Umsetzung]
  C --> D[Test]
  D --> E[Abnahme/Einführung]
  E --> F[Wartung]

Jede Phase wird vollständig abgeschlossen, bevor die nächste beginnt — ein Rücksprung in eine vorherige Phase ist im klassischen Modell nicht vorgesehen (im Gegensatz zu iterativen/agilen Modellen).

Merkmale#

MerkmalBeschreibung
Planung im VorausAnforderungen werden zu Beginn vollständig erhoben und fixiert
Sequentieller AblaufPhasen werden nacheinander, nicht parallel/iterativ durchlaufen
Klare MeilensteineJede Phase endet mit einem definierten, abnehmbaren Ergebnis
Umfangreiche DokumentationLasten-/Pflichtenheft, Spezifikationen vor Projektstart

Wasserfall vs. Agil#

KriteriumKlassisch (Wasserfall)Agil (Scrum/Kanban)
AnforderungenZu Beginn fixiertKönnen sich während des Projekts ändern
KundenfeedbackErst am Ende (Abnahme)Fortlaufend, nach jedem Sprint
ÄnderungenAufwendig, da spätere Phasen betroffen sindEingeplant, Teil des Prozesses
EignungKlar definierte, stabile Anforderungen (z. B. Bauprojekte, gesetzlich vorgeschriebene Systeme)Unklare/sich ändernde Anforderungen, Softwareentwicklung
DokumentationUmfangreich, vorabSchlanker, “working software over documentation”

Wasserfall eignet sich, wenn Anforderungen von Anfang an klar und stabil sind (z. B. Behörden-Projekte mit festen gesetzlichen Vorgaben). Bei unsicheren/sich ändernden Anforderungen ist ein agiles Vorgehen geeigneter.

Kommunikationsmodelle

Kommunikationsmodelle#

Kommunikationsmodelle helfen, Missverständnisse und Konflikte im Kundengespräch zu verstehen und professionell damit umzugehen.


Das 4-Ohren-Modell (Schulz von Thun)#

Das 4-Ohren-Modell (auch: Vier-Seiten-Modell) von Friedemann Schulz von Thun beschreibt, dass jede Nachricht vier Botschaften gleichzeitig enthält – und der Empfänger mit jedem seiner vier „Ohren" eine andere wahrnehmen kann.

Die vier Seiten einer Nachricht#

                    SENDER
          ┌───────────┼───────────┐
          │           │           │
    ┌─────▼─────┐ ┌───▼───┐ ┌───▼─────┐
    │  Sachinhalt│ │Selbst-│ │Beziehung│
    │            │ │offen- │ │         │
    │Was ist der │ │barung │ │Wie stehe│
    │Sachverhalt?│ │       │ │ich zum  │
    │            │ │Was sagt│ │Empfänger│
    └─────┬─────┘ │ich über│ └───┬─────┘
          │       │mich?   │     │
          │       └───┬───┘     │
          │           │         │
          └───────────┼─────────┘
                 ┌────▼────┐
                 │  Appell │
                 │         │
                 │Was soll │
                 │der Emp- │
                 │fänger   │
                 │tun?     │
                 └─────────┘
                    EMPFÄNGER

Die vier Ebenen erklärt#

EbeneFrageBeispiel: „Kannst du das nicht schneller machen?"
SachinhaltWas ist der objektive Inhalt?Die Arbeit geht langsam voran
SelbstoffenbarungWas sagt der Sender über sich?Ich bin ungeduldig / unter Druck
BeziehungWas denkt der Sender über den Empfänger?Ich halte dich für langsam / inkompetent
AppellWas soll der Empfänger tun?Beeil dich!

Anwendung im IT-Support#

Kunde: „Das haben Sie mir aber anders erklärt!"

Magisches Dreieck & Risikomanagement

Magisches Dreieck & Risikomanagement#

Jedes Projekt bewegt sich im Spannungsfeld dreier miteinander konkurrierender Ziele — und muss zugleich mit Unsicherheiten und Risiken umgehen.


Das Magische Dreieck#

flowchart TD
  Q["Qualität /<br/>Leistungsumfang"]
  Z["Zeit"]
  K["Kosten"]
  Q --- Z
  Z --- K
  K --- Q

Die drei Zieldimensionen stehen in einem Zielkonflikt: Wird eine Dimension verändert, wirkt sich das zwangsläufig auf mindestens eine der anderen aus.

DimensionBeispiel für Verschlechterung, wenn…
Zeit… das Projekt schneller fertig sein soll → mehr Personal (Kosten↑) oder weniger Funktionsumfang (Qualität↓)
Kosten… das Budget gekürzt wird → weniger Zeit für Tests (Qualität↓) oder längere Laufzeit (Zeit↑)
Qualität… mehr Funktionen gefordert werden → mehr Zeit und/oder mehr Kosten nötig

Merksatz: “Schnell, billig, gut — wählen Sie zwei.” Alle drei Ziele gleichzeitig zu optimieren ist praktisch unmöglich; gutes Projektmanagement bedeutet, diesen Zielkonflikt bewusst zu steuern und mit dem Auftraggeber zu priorisieren.

Netzplantechnik & Gantt-Diagramm

Netzplantechnik & Gantt-Diagramm#

Beide Werkzeuge visualisieren den zeitlichen Ablauf eines Projekts — die Netzplantechnik zeigt Abhängigkeiten zwischen Vorgängen, das Gantt-Diagramm den zeitlichen Verlauf als Balkenplan.


Gantt-Diagramm#

Ein Gantt-Diagramm stellt Projektvorgänge als horizontale Balken auf einer Zeitachse dar.

gantt
  dateFormat  YYYY-MM-DD
  title       Projektplan (Beispiel)
  section Planung
  Anforderungsanalyse   :a1, 2026-01-01, 5d
  Konzept               :a2, after a1, 4d
  section Umsetzung
  Entwicklung           :a3, after a2, 10d
  Test                  :a4, after a3, 5d
  section Abschluss
  Abnahme               :a5, after a4, 2d
VorteileNachteile
Übersichtlich, leicht verständlichKomplexe Abhängigkeiten schwer darstellbar
Zeigt Zeitverlauf und ParallelitätKritischer Pfad nicht direkt ersichtlich
Gut für Statusberichte/KommunikationÄnderungen bei vielen Abhängigkeiten aufwendig zu pflegen

Netzplantechnik#

Ein Netzplan stellt Vorgänge als Knoten dar und verbindet sie mit Pfeilen, die Abhängigkeiten (welcher Vorgang muss vor welchem abgeschlossen sein) zeigen.

Projektorganisationsformen

Projektorganisationsformen#

Ein Projekt muss organisatorisch in die bestehende Unternehmensstruktur eingebettet werden — dafür gibt es drei klassische Formen, die sich im Grad der Weisungsbefugnis des Projektleiters unterscheiden.


1. Reine Projektorganisation#

Projektmitarbeiter werden vollständig aus ihren Fachabteilungen herausgelöst und arbeiten nur noch im Projekt, dem Projektleiter direkt unterstellt.

Geschäftsleitung
   Projektleiter  ← volle Weisungsbefugnis
 ┌─────┼─────┐
 MA1  MA2   MA3
VorteileNachteile
Klare Verantwortlichkeiten, volle Entscheidungsgewalt des PLMitarbeiter nach Projektende ggf. schwer wieder einzugliedern
Hohe Identifikation mit dem ProjektDoppelte Ressourcenvorhaltung (Fachabteilung + Projekt)
Schnelle EntscheidungswegeTeuer bei kurzen/kleinen Projekten

2. Matrix-Projektorganisation#

Mitarbeiter bleiben in ihrer Fachabteilung und arbeiten zusätzlich im Projekt — sie haben zwei Vorgesetzte: den Fachvorgesetzten und den Projektleiter.

Projektphasenmodelle

Projektphasenmodelle#

Unabhängig davon, ob klassisch oder agil gearbeitet wird, durchläuft praktisch jedes Projekt dieselben vier grundlegenden Phasen.


Die vier Grundphasen#

flowchart LR
  A[1. Initiierung] --> B[2. Planung]
  B --> C[3. Durchführung /<br/>Steuerung]
  C --> D[4. Abschluss]

1. Initiierung (Projektstart)#

  • Projektidee wird geprüft und grob bewertet (Machbarkeit, Nutzen)
  • Projektauftrag wird formuliert: Ziele, Rahmenbedingungen, grober Umfang
  • Projektleiter wird benannt, erste Stakeholder identifiziert

2. Planung#

  • Detaillierte Ziel-, Termin-, Kosten- und Ressourcenplanung
  • Erstellung von Netzplan/Gantt
  • Risikoanalyse (siehe magisches Dreieck & Risiko)
  • Ergebnis: Projektplan, der als Referenz für die Durchführung dient

3. Durchführung & Steuerung#

  • Eigentliche Umsetzung der geplanten Arbeitspakete
  • Laufende Soll-Ist-Vergleiche (Termine, Kosten, Qualität)
  • Bei Abweichungen: Steuerungsmaßnahmen (Nachsteuern, Eskalation, Änderungsantrag)
  • Läuft parallel zur Durchführung, nicht danach

4. Abschluss#

  • Formale Abnahme des Projektergebnisses durch den Auftraggeber
  • Projektdokumentation wird vervollständigt
  • Lessons Learned: Was lief gut, was kann beim nächsten Projekt verbessert werden?
  • Freigabe der Projektressourcen (Mitarbeiter, Budget)

“Durchführung” und “Steuerung” laufen gleichzeitig, nicht nacheinander — Steuerung ist die begleitende Kontrolle während der gesamten Durchführungsphase.

Qualitätsmanagement: PDCA-Zyklus & Kano-Modell

Qualitätsmanagement: PDCA-Zyklus & Kano-Modell#

Qualitätsmanagement stellt sicher, dass Produkte/Dienstleistungen kontinuierlich verbessert und an Kundenerwartungen ausgerichtet werden.


PDCA-Zyklus (Plan-Do-Check-Act)#

Der PDCA-Zyklus (auch Deming-Kreis) ist das zentrale Modell der kontinuierlichen Verbesserung (KVP) — er wird immer wieder durchlaufen.

flowchart LR
  P[Plan<br/>Planen] --> D[Do<br/>Umsetzen]
  D --> C[Check<br/>Überprüfen]
  C --> A[Act<br/>Handeln/Anpassen]
  A --> P
PhaseBedeutung
PlanProblem analysieren, Ziel festlegen, Maßnahme planen
DoMaßnahme im kleinen Rahmen (Testweise) umsetzen
CheckErgebnis mit dem geplanten Ziel vergleichen — hat es funktioniert?
ActBei Erfolg: Maßnahme standardisieren/ausrollen. Bei Misserfolg: anpassen und erneut planen

Wichtig: Der Zyklus ist nie abgeschlossen — nach “Act” beginnt “Plan” erneut, mit dem Ziel der stetigen Verbesserung (daher auch: kontinuierlicher Verbesserungsprozess, KVP).